JuHaKa

Ausgabe 4 2018

Sichert die Kinder- und Jugendarbeit Die Zukunft unseres Verbandes? Im Gespräch mit drei Ehrenamtlichen

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Jede noch so große Organisation braucht Nachwuchs. Dieser Aussage würde wohl kaum einer widersprechen. Dass Kinder- und Jugendarbeit innerhalb des Verbandes gut funktionieren kann, beweisen bereits mehrere Orts- und Landesgruppen. Wir haben mit drei aktiven Ehrenamtlichen über ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gesprochen. Sie haben uns verraten, mit welchen Schwierigkeiten sie am Anfang zu kämpfen hatten und wie man Kinder- und Jugendarbeit langfristig und nachhaltig gestalten kann.
Wer sich im Bereich Kinder- und Jugend engagieren möchte, muss eine gewisse Frusttoleranz mitbringen. Denn nicht alles klappt immer auf Anhieb. Das weiß auch Nelli Geger, die seit 2016 Landesvorsitzende der Jugendorganisation in Bayern ist. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie bereits viele Projekte und Aktionen für und mit jungen Leuten umgesetzt. Mittlerweile haben sie eine Theatergruppe und einen Jugendchor gegründet. Sie veranstalten Seminare zur politischen Bildung, helfen jungen Menschen. die noch nicht so lange in Deutschland sind in Studien- und Ausbildungsfragen, gestalten kulturelle Abende.
Vom 7. bis 18. April organisiert die Jugend LmDR Bayern in Fürth eine Ausstellung zum Thema „Deutschland mit meinen Augen". In der Ausstellung werden Bilder dreier Generationen mit Migrationshintergrund dargestellt. Die Eröffnung der Ausstellung findet am 7. April um 15 Uhr in der Volksbücherei Fürth, Innenstadtbibliothek Carl Friedrich Eckart, statt und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert.
„Anfangs war es schwer, da die Leute gefehlt haben", gibt Nelli Geger zu. „Doch mittlerweile hat sich dieses Problem gelöst. Wir haben ein gutes und zuverlässiges Team. Jeder hat seine Aufgabe, und dieses Gefühl des Zusammenhalts und der Gemeinschaft schweißt uns immer enger zusammen."
Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet in der Jugendarbeit engagiert, hat die junge Frau, die in Fürth lebt, eine ganz klare Antwort: „Sicherlich könnte ich auch etwas anderes machen, aber die Jugend gibt mir so viel zurück! Mich begeistert immer wieder, mit welchem Enthusiasmus sie an die Sache herangeht. Ich bin immer wieder fasziniert davon, dass die Jugendlichen auch die absurdesten Ideen aufgreifen und weitertragen. Ich lasse mich immer wieder gerne von ihrem Feuer anstecken und brenne mit ihnen. Der Austausch mit der Jugend erfüllt mich und motiviert mich, weiterzumachen."
Nelli ist stolz darauf, dass die Arbeit der Jugendorganisation mittlerweile so viel positive Resonanz bekommt. Auch die Stadt Fürth und die Stadt Nürnberg zeigen ihre Anerkennung für die Arbeit der Jugend. indem sie immer wieder Projekte und Aktionen unterstützen. Für ihr Team hat Nelli Geger nur gute Worte: „Das sind junge, engagierte Menschen voller Ideen und Energie. Sie haben diesen besonderen Funken in der Seele und dieses Leuchten in den Augen. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich immer wieder für diese Arbeit und diesen Weg entscheiden", antwortet Nelli Geger auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, statt Jugendarbeit etwas anderes zu machen.
Das ein zuverlässiges und verantwortungsbewusstes Team für eine stabile Arbeit unabdingbar ist, weiß auch Erna Pacer, Vorsitzende der Ortsgruppe Karlsruhe der LmDR und Mitglied des Landesvorstandes von Baden-Württemberg. Sie begann bereits in den Neunzigern, sich für Kinder und Jugendliche zu engagieren, und im Jahr 2009 gelang es ihr gemeinsam mit ihrem Team, in Karlsruhe das Jugendhaus ,Alle unter einem Dach" zu eröffnen.

„Es ist wichtig, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen", sagt Erna Pacer „Ich habe damals viel mit jungen Menschen gesprochen und immer wieder herausgehört, dass sie sich nach einem Ort sehnen, an dem sie immer willkommen sind und wo ihre Interessen, ihre Sorgen und Probleme ernst genommen werden. Ein Ort, wo sie dem schulischen Alltag entfliehen können oder einen guten Rat bekommen, wenn sie Schwierigkeiten haben. Junge Menschen brauchen einen Ort, um sich zu treffen und sich auszutauschen. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es nicht, ihnen ständig irgendwas vorzuschreiben. Nein, wir müssen mit den Jugendlichen in den Dialog treten. Ihnen zuhören. Ihre Interessen wahrnehmen und passende Angebote gestalten. Nur so können wir das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen und die Arbeit nachhaltig gestalten." Dass es nicht immer einfach ist, bestätigt Erna Pacer aus ihrer Erfahrung. Besonders am Anfang fehlt es an vielen Stellen, doch man darf sich nicht entmutigen lassen. „Wenn man die Verantwortung übernimmt, sollte man sie auch tragen können", meint sie. „Man sollte Kinder- und Jugendarbeit auch nicht mit Geld messen. Auch, wenn schwere Zeiten durchzustehen sind: Leuchtende Kinderaugen und ihr glückliches Lächeln entschädigen für allesl", lacht sie und erinnert daran, dass es sich beim Ehrenamt um eine Ehrensache handelt. „Um Kinder- und Jugendarbeit langfristig anzulegen, braucht man so einiges", erzählt Erna Pacer. „Finanzen sind bei vielen ein Dauerthema. Aber man braucht auch ein zuverlässiges und starkes Team. Unterstützung und Anerkennung für seine Arbeit. Aber vor allem braucht man Liebe. Liebe zu Kindern und Jugendlichen. Ohne die Liebe kann nichts gelingen", lacht Erna Pacer und schwärmt von ihren Schützlingen. Seit vielen Jahren engagiert sich Erna Pacer in der Kinder- und Jugendarbeit und dank ihrem Einsatz und der Arbeit ihres Teams kann das Jugendhaus „Alle unter einem Dach" sich immer weiterentwickeln. „Wir brauchen die Jugend!", sagt die Ortsgruppenvorsitzende ganz überzeugt. „Sie ist unsere Zukunft! Wir müssen jetzt den Grundstein für die Zukunft des Verbandes legen. Denn nur so kann die Idee weitergetragen werden. Wenn wir uns nicht um den Nachwuchs kümmern, wer soll das dann sonst tun? Erna Pacer rät allen, die sich auf das Feld der Jugendarbeit begeben möchten, selbst Kontakt zu jungen Menschen zu suchen. Nur durch den Aufbau von Vertrauen, durch aufrichtiges Interesse an den Jugendlichen und durch Gespräche kann man erfahren, welche Belange oder Sorgen sie haben, was junge Menschen interessiert oder bewegt. „Oft vergessen die Erwachsenen, dass es hierbei nicht um sie geht, sondern um die Kinder und die Jugendlichen. Wir müssen berücksichtigen, dass sie noch nicht erwachsen sind und die Welt mit ganz anderen Augen sehen. Sie haben teilweise ganz andere Vorstellungen und Erwartungen als wir. Das müssen wir akzeptieren und respektieren. Und ich betone es immer wieder: Wir müssen Kinder und Jugendliche lieben! Egal wie sie sind. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat seine Stärken, und diese müssen wir fördern." Um die Stärken der Kinder geht es auch Elena Gutelewitsch aus Lahr. Seit drei Jahren engagiert sie sich für die Landsmannschaft und gestaltet unterschiedliche Angebote für Kinder und Jugendliche. Bei ihren Aktionen versucht sie auch, bei Gelegenheit die Eltern einzubeziehen. „Es ist wichtig, dass Eltern an der Entwicklungsförderung ihrer Kinder teilhaben. Ich erlebe es immer wieder, dass Kinder zwar ein großes Interesse an einem Angebot haben, aber die Teilnahme an der mangelnden Bereitschaft der Eltern scheitert. Das finde ich sehr schade. Deshalb versuche ich, die Angebote nach Möglichkeit so zu gestalten, dass auch die Eltern daran teilnehmen können und so Zeit mit ihren Kindern verbringen. Dadurch wird zusätzlich der familiäre Zusammenhalt gefördert.“ Den Schwerpunkt ihrer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien legt Elena auf sportliche Aktivitäten, gemeinsame Freizeitunternehmungen und kulturelle Förderung: „Wir gehen zum Beispiel gemeinsam im Wald spazieren, besuchen Museen und Klavierkonzerte, fahren alle zusammen in einen Freizeitpark und übernachten im Freien. Vor kurzem haben wir auch einen Kinderchor gegründet.“ Die Angebote sind sehr unterschiedlich, und Elena hat immer wieder neue und interessante Ideen, die auf große Begeisterung und großes Interesse stoßen. „Da ich selbst vier Kinder habe, weiß ich, wie wichtig es ist, insbesondere in der Kindheit die Stärken zu fordern und die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ich möchte sowohl den Kindern als auch den Eltern eine Möglichkeit bieten sich zu treffen, sich auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln.“ Elena Gutelewitsch erzählt, dass es manchmal zwar schwer ist, sie jedoch immer wieder neue Motivationsquellen findet. Manchmal sind es die Kinder, die mit großer Begeisterung an einem Angebot teilnehmen. Manchmal sind es die Kollegen, die eine gute Idee teilen. Elena betont, wie wichtig der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Ortsgruppen und Akteuren des Ehrenamts für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. „Als ich im Jahr 2016 eine Juleica-Schulung absolviert habe, hat mir die Teilnahme einen großen Motivationsschub verpasst. Ich konnte so viel Neues lernen und meine Erfahrungen mit anderen Ehrenamtlichen austauschen. Das ist sehr wertvoll und kann sehr motivierend sein, weil man neue Impulse bekommt, Ideen aufgreift und sich in neuen Bereichen ausprobieren möchte. Für mich war das eine spannende Herausforderung!“, erzählt die vierfache Mutter. Auf die Frage, wofür wir Kinder- und Jugendarbeit brauchen, antwortet Elena selbstsicher: „Für mich ist es wichtig, dass Kinder ihre Stärken erkennen und erfahren dürfen. Dass sie ein Hobby für sich entdecken und dass sie eine Beschäftigung haben. Das wird insbesondere zum Thema, wenn sie in das Jugendalter kommen. Damit sie nicht nur vor der Spielkonsole sitzen, sondern Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen können. Wir können den Kindern zeigen, wie wundervoll diese Welt ist und wie viel es noch zu entdecken gibt!“

Martin-Virolainen