SITUATION DER MIGRANTEN - Alle unter einem DACH

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

SITUATION DER MIGRANTEN

SOMMERAKADEMIE in BERLIN :

Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa und aus Deutschland traffen sich in Berlin.
Zeit: 25. bis 30. August 2013
Ort: Europasaal der Deutschen Gesellschaft e. V.
Ein reichhaltiges Programm von wissenschaftlichen Referaten und Diskussion über praxisorientierte Workshops bis hin zu Besuchen in Medienhäusern,  Stiftungen und multinationalen Unternehmen.

Unsere Referentinnen und Ihre Vorträge am 27. August 2013  :

Irina Kiba "Russlanddeutsche heute - Identität und Integration"
Emilia Schmackow " Kultur und Lebenswelt russlanddeutscher Familien"

*   *   *   *   *  *

Irina Kiba und Emilia Schmackow


In Karlsruhe wohnen heute mehr als 3000 Aussiedlerfamilien und eine hohe Anzahl anderer Migranten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Sie finden umfangreiches Zahlenmaterial (Statistik),  Informationen über Aufnahme von Deutschen nach dem BVFG, sowie Gesetzestexte: z.B. "Änderungen für Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen durch das Zuwanderungsgesetz", Literaturauswahl zum Thema "Aussiedler" unter Rubrik "Schwerpunkt: Spätaussiedler" ( Hier klicken . . . )

Um die Integration der Zuwanderer ins Gemeinwesen der Stadt Karlsruhe und Umgebung zu verbessern, haben wir im Jahre 2007 ehrenamtlich ein Haus renoviert und eingerichtet.

Wir bieten sinnvolle Freizeitgestaltung und Angebote zur Stärkung der Potenziale der Zuwanderer, Orientierungshilfe für Familien und Eltern, gemeinsame Aktivitäten mit Örtlichen Verbänden und Einrichtungen, Kontaktausbau zwischen den Generationen, Jugendgruppenbetreuung.


Irina Kiba und Emilia Schmackow konzentrierten sich in ihrem Vortrag "Lebenswelten der Russlanddeutschen" auf die Gruppe der Aussiedler in Deutschland. Die beiden Referentinnen stammen aus der ehemaligen UdSSR und kamen als Aussiedlerinnen mit ihren Familien in den 1990er Jahren nach Deutschland. In ihrem Vortrag berichteten sie fundiert und fachkundig über das Leben, die Schwierigkeiten und Erfolge ihrer Landsleute bei der Bewältigung des Alltags in Deutschland, die ihnen durch eigene Erfahrungen, ihr Engagement im Verein der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. und infolge ihrer ehrenamtlichen Beratungstätigkeit für Aussiedler vertraut sind.
Frau Kiba und Frau Schmakow, beide ausgebildete Lehrkräfte, betreuen die Neuzugänge der Aussiedler in der Region Karlsruhe und Rastatt und bieten neuen Gemeindemitgliedern Beratung in verschiedenen Bereichen (anmeldungs- bzw. generell verwaltungstechnische Fragen, Arbeits- und Wohnungssuche, Möglichkeiten der schulischen Bildung und Ausbildung für jugendliche Aussiedler usw.) an und verkörpern somit die erste Anlaufstelle für neu angekommene Aussiedler. Die gleiche Unterstützung gewähren sie auch bereits länger in Deutschland lebenden Landsleuten, wenn sie sich in schwierigen Situationen befinden.
Eingangs des Vortrages wurde von den Referentinnen ein historischer Exkurs in die fast zweihundertjährige Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen dargeboten: Beginnend mit der Anwerbung der Deutschen durch den russischen Zaren Peter I. und seine Nachfolgerin, Zarin Katharina die Große, im 18. Jahrhundert, über die dramatische Verfolgungsgeschichte der deutschen Minderheiten in den 1930er bis Anfang 1950er Jahren und während der Stalindiktatur - bis hin zu den Anfängen der Rückübersiedlung nach Deutschland in den 1980er Jahren und schließlich dem Höhepunkt der Aussiedlerzuwanderung in den 1990er Jahren. Einer eingehenden Betrachtung wurde insbesondere diese Zeitspanne unterzogen, die die Zeit nach der Perestrojka umfasst, als die Massenübersiedlung der Russlanddeutschen aus den Regionen der ehemaligen UdSSR begann.
Für die Vermittlung eines besseren Verständnisses für die Ausreisegründe der Russlanddeutschen und ihre Sehnsüchte, trotz aller erdenklicher Schwierigkeiten ein neues Leben in Deutschland, in der neuen "Heimat" zu beginnen, wurde im Vortrag die Situation der deutschen Minderheiten im Russland der letzten Jahrzehnte umrissen. Ein besonderer Akzent wurde anschließend auf die Situation der Aussiedler hier in Deutschland und deren Wahrnehmung durch die deutsche Aufnahmegesellschaft gesetzt. Hierbei konstatierten die Referentinnen, dass die Mehrheit der Aussiedler ihre deutsche Kultur, Sprache, Sitten und Bräuche - ihr "Deutschtum" - in Russland über Generationen hin gepflegt, bewahrt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben haben. Die eingewanderten Aussiedler bringen der Ansicht der Referentinnen nach mehrheitlich einen starken Willen mit, sich möglichst schnell in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, sie sind um eine schnelle Reintegration in das berufliche Leben bemüht und weisen dabei des Öfteren eine hohe Bereitschaft auf, selbst als Hochschulabsolventen bei entsprechender Qualifizierung und Fachkenntnissen auch geringqualifizierte Tätigkeiten im Berufsleben auszuüben. Angesprochen wurden auch Probleme, wie die erhöhte Kriminalität, Arbeitslosigkeit, sprachliche Defizite der jüngsten Aussiedlerzugänge, die in den Medien verstärkt Widerspiegelung finden.
Die dargestellten Lebensgeschichten ließen im Publikum bei der anschließenden Diskussion die Fragen nach den bestehenden Identitätsproblemen, insbesondere bei der jüngeren Generation der Aussiedler und nach den Beweggründen für die Ausreise nach Deutschland aufkommen. Dabei wurde deutlich, dass über die Identitätsprobleme und kulturellen Hintergründe der Aussiedlergruppe in Deutschland ein weit größeres Informationsdefizit besteht.

PODIUMSDISKUSSION

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü