ERWACHSENE BETÄTIGEN SICH IN MUSIK- UND THEATERPROJEKTEN

Auch Erwachsene haben bei der Kreis- und Ortsgruppe Karlsruhe zahlreiche Möglichkeiten, sich kulturell zu entfalten. Sie können beispielsweise im Chor „Lieb Heimatland", der im März 2016 sein vierzigjähriges Jubiläum feiert, oder bei der Folkloregruppe „Kalinka" mitsingen, die mit klassischen, folkloristischen und modernen Beiträgen immer wieder zum Gelingen von Veranstaltungen beitragen.
Beteiligen kann man sich auch als Schauspielerin oder Schauspieler, denn die Kreis- und Ortsgruppe führt regelmäßig kleine Theaterprojekte durch, bei denen viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene mitmachen.
So wurden die Märchen „Schneekönigin" (2005 bis 2006), „Aschenputtel" (2007 bis 2008) und „Dornröschen" (2009) erfolgreich auf die Bühne gebracht. Zu einem besonderen Highlight wurde 2007 die Erstaufführung des Märchens „Aschenputtel" mit fast 80 Darstellern. Die Theatergruppe spielte das Märchen dreisprachig (Deutsch, Englisch und Russisch) in einer modernisierten Fassung. Die Idee zu der Aufführung hatte die Projektleiterin Emilia Schmackow, die auch Regie führte.
Die „Dornröschen"-Aufführung im Oktober 2009, ein Märchenspektakel der besonderen Art mit über 100 Beteiligten im Alter zwischen drei und 70 Jahren auf und hinter der Bühne, lockte etwa 300 Zuschauer in den Gemeindesaal der katholischen Pfarrei „St. Peter und Paul" in Karlsruhe.
Das Publikum verfolgte gebannt das zweistündige Bühnengeschehen mit aufwändig gestalteten Szenarien, Bühnenbildern und Kostümen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene zeigten ihr ganzes Können als Solisten und in Tanzformationen. Die Begeisterung über die Aufführung und Interpretation des bekannten Märchens war riesengroß.
Auf das Kinder-Musical „Hannes und Greta" (2010 bis 2011) folgte 2012 die große Tanz- und Zirkus-Show „Notte Veneziana - eine Venezianische Nacht". Bei der Vorbereitung und Durchführung kam es zu umfangreichen Kooperationen mit dem Stadtjugendausschuss Karlsruhe und Krasnodar anlässlich der seit 20 Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen Karlsruhe und der südrussischen Großstadt.
Lehrer, Eltern und Vorstandsmitglieder der Kreis- und Ortsgruppe Karlsruhe sorgten mit selbst genähten, imposanten Kostümen und typischen Tänzen für den farbenprächtigen Rahmen der „Notte Veneziana". Die gesamte Choreographie hatte Ida Martjan, die auch die Hauptrolle spielte, gestaltet.

 

Das musikalische Märchen-Theaterstück „Dornröschen - wieder da“ war ein solches Ereignis, das im Dezember 2019 im Studentenhaus Karlsruhe stattgefunden hat.
Nach dem Motto „Altes im neuen Glanz erstrahlen lassen“ hat unsere Theatergruppe ein altbekanntes Märchen der Gebrüder Grimm im modernen Stil aufleben lassen und damit alle Generationen angesprochen.

Im Februar 2019 begannen die Projektleiterin des Jugendhauses und die Vereins-Theatergruppe mit der Umsetzung. Zunächst musste das alte Märchen umgeschrieben werden, um dieses Vorhaben auf einer großen Bühne mit möglichst vielen Darstellern inszenieren zu können. Da wir auch einige Mitwirkenden mit noch nicht ausreichenden Deutsch-Sprachkenntnissen hatten, d.h. gleichzeitig mit dem Projekt auch Integrationsarbeit leisteten, musste der Text demensprechend angepasst sein.
Außerdem hatten wir die Idee auch andere Nationalitäten bzw. Vereine mit ihren Darbietungen einzubeziehen. Das bedeutete, dass Szenen „erfunden“ bzw. passend erweitert werden mussten, in denen diese mitwirken konnten.
Des Weiteren sollten auch die Eltern, Verwandten und Freunde der Kinder sich auf verschiedene Weise einbringen können. Dadurch sind wir auf viele freiwillige und engagierte Menschen gestoßen, die begeistert und mit viel Elan zur Umsetzung beigetragen haben. Dementsprechend musste die Rollenverteilung akribisch durchdacht sein und nach verschiedenen Kriterien geordnet: wie z.B. optisch passend zur Rolle, Sprachfähigkeit, Probenbereitschaft oder sonstige Verpflichtungen.
Neben der Arbeit am Regiebuch wurden von unseren ehrenamtlichen Mitgliedern im Frühling und Sommer durchgehend Kostüme genäht und die Bühnendekorationen selbst hergestellt bzw. zusammengetragen, und das immer unter Berücksichtigung der knappen finanziellen Mittel, die uns zur Verfügung standen. Doch das Meistern dieser schwierigen Situation hat den Zusammenhalt aller Beteiligten noch zusätzlich gestärkt.
Im Herbst begannen die Proben, was auch mit vielen Schwierigkeiten verbunden war, z.B. für uns alle die passende Zeit zu finden, weil mehrere Mitbeteiligte erst nach der Arbeit oder der Schule zur Probe kommen konnten. So haben wir zum Teil mit den Erwachsenen einzelne Szenen bis ca. 22 Uhr abends oder an Wochenenden geprobt, um sie dann später zusammensetzen zu können. Es war eine Herausforderung, die ca. 89 Mitwirkenden im Alter von 3-70 Jahren bei den zahlreichen Kostüm-Anfertigungen und Anproben, Gesangsproben, Tanzproben, Musikschnitten und szenischen Proben zu koordinieren. Das Theaterstück wurde ganz ohne professionelle Hilfe geprobt und durchgeführt.
Auch die Suche nach einer passenden Halle erwies sich als schwierig, da wir das Märchen unbedingt noch vor Weihnachten auf die Bühne bringen wollten und große Hallen, die finanziell tragbar waren, praktisch schon ausgebucht waren. Mithilfe des Geschäftsführers des Studentenwerks konnten wir den Saal mieten, allerdings mit dem Wermutstropfen, dass nur 200 Zuschauer aus Brandschutzgründen in den Saal durften. Also waren wir recht schnell ausverkauft, und leider konnten nicht alle Interessenten die Premiere sehen. Es steht also (nach Corona-Pandemie) eine weitere Vorstellung noch offen.
Die größte Herausforderung war auch die großen Szenen mit vielen Darstellern zu inszenieren, da wir keinen eigenen Raum in der Größenordnung besitzen. Nur die Endproben durften wir im Studentenhaus durchführen, was natürlich bedeutet hat, dass alles vorher zumindest stehen musste. An den letzten zwei Tagen vor der Premiere lagen die Nerven blank: die Beleuchtung und die Tontechnik mit Headsets mussten eingestellt werden. Mehrere Durchlaufproben und Soundchecks waren nötig.
Am 15. Dezember 2019 hat dann endlich unsere Premiere im Studentenhaus Karlsruhe mit vollem Erfolg stattgefunden. Wir haben es geschafft über 100 Personen gleichzeitig dazu zu bringen für eine Sache einzustehen um gemeinsam etwas Tolles auf die Bühne zu bringen, Blockaden zu überwinden und an die eigenen Grenzen zu kommen und dabei sich selbst neu wahrzunehmen für ein gemeinsames Werk!
In diesem Moment verwischten sich die Grenzen zwischen Jung und Alt, zwischen Einheimischen und Migranten und wir sind stolz darauf einen wichjtigen Beitrag zur Integrationsarbeit geleistet zu haben und viele neue Mitglieder dadurch gewonnen zu haben.